ART BASEL – RUINART MASTERPIECE BY GEORGIA RUSSELL

Wer meinen ersten Artikel über die Art Basel gelesen hat, konnte bereits einige meiner Favorites der Messe sehen. Mein Highlight war das Gespräch mit Georgia Russell über ihr Masterpiece. Sie hat aus Ruinart’s einstigem und antiken Orderbuch zeitgenössische Kunst geschaffen, das neueGrand Livre” welches Ruinart, als offizieller Champagner Sponsor, auf der diesjährigen Art Basel erstmals vorgestellt hat. Zwei Tage bevor die Messe ofiziell eröffnet wurde, war ich von Ruinart zur Preview in die Collector´s Lounge der Art Basel eingeladen. Mit feinem Ruinart Blanc de Blancs Champagner wurde dort mit auserwählten Gästen auf das “Grand Livre” und die spannende Geschichte dahinter angestossen.
Das “Grand Livre” und die Anfänge des Champagnerhauses Ruinart

Ab dem 1. September 1729 hält Nicolas Ruinart in seinem “Grand Livre” die Errungenschaften des Hauses fest. Der Anfang des Textes ist in großer, runder Schrift verfasst und lautet: “Dieses Buch möge im Namen Gottes und der Heiligen Mutter Gottes beginnen.” Damit stellte der Textilkaufmann sein neues Unternehmen unter göttlichen Schutz wie auch unter den seines Onkels Dom Thierry Ruinart, eines Benediktinermönchs mit kühnen, innovativen Ideen. Beim Durchblättern des Buches erfährt man etwas über den Zeitpunkt und die Bedingungen beim Versand der ersten Weinflaschen. Weiter sind Einzelheiten über den Erwerb von Weinbergparzellen und die Menge der ersten Traubenlieferungen festgehalten. Im April 1739, so kann man lesen, wurde erstmals Champagner von Ruinart in das Nachbarland Belgien geschickt. Dieses kostbare Buch ist ein wahrer Schatz in der Geschichte des Hauses Ruinart und wurde exklusiv für die Künstlerin geöffnet, deren Kreativität durch das kostbare Vermächtnis und die festgehaltene Erinnerung des Hauses, geweckt wurde.

Georgia Russell:

Georgia Russell ist eine junge bildende Künstlerin aus Schottland und Absolventin des Royal College of Art. Nachdem sie bei einem Wettbewerb einen Aufenthalt in einer Künstlerwohnung in Paris gewonnen hatte, wurden für sie die Erkundungsstreifzüge durch die französische Hauptstadt Quelle der Inspiration. Ihre Spaziergänge führten sie unter anderem zu den Buchhändlern am Ufer der Seine. Sie war fasziniert von den alten Fotografien und Büchern und erstand mehrere Exemplare – zum einen, um ihr Französisch zu verbessern, zum anderen, um die Druckwerke in ihrer Form zu verändern, sie zu berühren, in den Händen zu halten, zu zerschneiden und zu kleben. Und sie experimentierte weiter mit ihnen, gliederte sie in mehrere Bände oder löste sie ganz auf. Dabei reifte in ihr der Wunsch, diese neue Geschichte der Bücher anderen mitzuteilen – als Zeitgeschichte, die in die Gegenwart übertragen und neu verfasst wird. Nach und nach wurde ihre Arbeit immer persönlicher. Sie tauschte die Schere gegen ein Werkzeug, das ihr als wesentlich verlässlichere Verlängerung ihres Arms und Geistes diente: das Skalpell. Die Präzision ihrer Schnitte lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Wörter und Farben: Bewaffnet mit der scharfen Klinge dringt Russell tief in die Bücher ein, entlockt ihnen ihr Wesen und fördert lebende Formen zutage. Ihre Arbeiten bekommen eine abstrakte Qualität, die unsere Vorstellungskraft befeuert.

Das Masterpiece

Als Hommage an die außergewöhnliche Geschichte des Hauses und seines “Grand Livre” schuf Georgia Russell ein großartiges Werk, mit dem sie leblose Materie durch ihr Skalpell zum Leben erweckte. Indem das Licht auf die Wörter fällt und so ein Relief entsteht, wird die Vergangenheit in die Gegenwart gerückt und Erinnerung lebendig. Während ihrer Arbeit war nur der regelmäßige Klang der Klinge auf dem Papier zu hören – das Aufeinandertreffen zweier Materialien in einer schnellen, präzisen Bewegung, die zugleich Rückgriff und Hommage an die Arbeit der Männer in den Kreidegruben von einst war. Der Gang durch die Keller war für Georgia Russell ein aufwühlendes Ereignis, und die Erinnerung daran kommt in dem Werk deutlich zum Tragen.

DAS Ornament – Licht auf den Ruinart Blanc de Blancs

Inspiriert von ihrer Arbeit an dem Grand Livre kreierte Georgia gleichzeitig auch eine makellos weisse Hülle für die Ruinart Blanc de Blancs Flasche, welche in limitierter Auflage erhältlich ist. Die vielen mit Fingerspitzengefühl ausgearbeiteten, präzisen Einschnitte spielen virtuos mit dem Leuchten des Champagners, das von der Chardonnay-Traube kommt, dem Symbol des Hauses Ruinart. Der Vergrößerungseffekt vervielfacht den goldenen Glanz. So wie die weißen Kreidekathedralen beim Reifeprozess als Hüter des Ruinart-Champagners dienen, so legt sich die elegante Hülle schützend um die Flaschen.

Interview mit Georgia Russell:

Deine Werke bestehen aus alten Büchern und deren Geschichte. Mit deiner Arbeit kreierst du etwas völlig neues daraus. Denkst du bereits beim Lesen des Buches daran, wie du es in Kunst umwandeln wirst?

Georgia: Ich lese nicht alle Bücher, die ich verarbeite. Bei Ruinart hat mich die Historie des Hauses und des Buches fasziniert. Klar habe ich mir dies genauer aneschaut. Was mich aber sehr inspiriert hat war mein Besuch in Ruinart’s Kreidekellern, weiße Kalkhöhlen unter dem Maison Ruinart in Frankreich. Dort reift der Champganer.  Das Spiel zwischen Licht und Schatten dort ist einmalig: strahlend weiß und subtil.

Die grösste Challenge in deiner bisherigen Karriere?

Georgia: Definitiv meine Anfangszeit. Ich war jung und habe viel Energie in meine Leidenschaft gesteckt, die Kunst. Dies musste auch finanziert werden, weshalb ich einige Nebenjobs wie Babysitting, Kellnern, als Mal-Lehrerin ausüben musste. Alle meine Freunde hatten mehr als ich. Sie gingen oft in Urlaub, kauften Autos, planten einen Hausbau oder gingen in edlen Restaurants essen. Ich lebte immernoch wie eine Studentin. Aber heute weiss ich, wofür es war ;-)

Wenn du deine Arbeit und gleichzeitig dich als Person mit einem Wort beschreiben würdest, was wäre dies?

Georgia: Veränderung. Denn die Veränderung ist das einzig konstante im Leben.

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Credits by Ruinart, Moet & Hennessy. PR.