BILANZ.CH – BON APPETIT!

Her Business Lifestyle: «Bon Appetit»

Kolumnistin Nel-Olivia Waga hat Chef de Cuisine Frank Widmer im Park Hyatt Zürich getroffen, um über kleine Fauxpas und die richtige Tischetikette beim gesetzten Geschäftsdinner zu sprechen.

 

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Es ist wieder soweit, wir haben Anfang Dezember. Dies bedeutet nicht nur den Auftakt der Weihnachtszeit und gemütliche Winterabende vorm Kamin. Auch die Weihnachtsfeiern der Unternehmen sind in vollem Gange. Meist finden diese in Gestalt eines gesetzten Dinners statt. Doch was sich nach einem netten Beisammensein unter Kollegen und Geschäftspartnern anhört, birgt viele Gefahren. Vor allem die richtige Tischetikette gilt es hier zu bewahren. Was aber gehört zum guten Ton und was sollte Business-Woman tunlichst unterlassen? Kürzlich habe ich Chefkoch und Bankett-Profi Frank Widmer** vom Park Hyatt Zürich getroffen. Er kennt die moderne Tischetikette mit allen Ausnahmen und hat sie mir verraten.

Vor dem Dinner

Jede zweite Frau hat heutzutage eine Intoleranz auf bestimmte Lebensmittel. Hat sie keine Intoleranz macht sie gerade eine Detox-Kur und verzichtet auf Alkohol. «Man kann es fast schon als eine Art Trend bezeichnen», sagte mir Widmer. Um Peinlichkeiten zu vermeiden empfiehlt der Profi daher, den Gastgeber vorab über die persönlichen Empfindsamkeiten zu informieren. «So kann das Restaurant Ihr Menü entsprechend anpassen, ohne dass die Tischnachbarn darauf aufmerksam werden, weil Sie Ihren Teller unberührt lassen.»

Die Jacke wird bei der Hostess abgegeben. Als «common guideline» – sagt mir Widmer – gilt für Männer, das Jackett anzubehalten. Dieses wird nur dann ausgezogen, wenn dies der Gastgeber auch tut. Die Damen dürfen den Cashmere Cardigan oder den Blazer gerne mit zum Tisch nehmen. Ein Wintermantel – mag er noch so schön sein – hat am Platz aber nichts zu suchen.

An den Tisch setzt man sich wenn der Gastgeber dazu auffordert. Eigentlich helfen die Herren den Damen, so Widmer, «was in der heutigen Zeit aber auch nicht mehr immer der Fall ist.» Das «Stuhl halten» übernehmen somit oftmals auch die Kellner oder eben die Frau selbst. Setzt man beziehungsweise frau sich hin, wird die Serviette auf den Schoss gelegt, einmal gefaltet.

Doch kaum hat man am Tisch Platz genommen, machen nervöse Blicke einiger Nachbarn die Runde. Darf schon was getrunken werden? Nur Wasser? Und wie sieht das mit Brot aus? Widmer weiss es: «Wasser darf immer getrunken werden, Wein erst dann, wenn der Gastgeber das Glas erhebt oder eine Ansprache gehalten hat.» Die alte Regel sagt ebenso, dass alles was links von einem steht, wie der Brot-Teller, vor dem Dinner bedient werden darf.

Während des Dinners

«Gewöhnlicherweise wird das Dinner vom Gastgeber eröffnet, vorab anfangen ist unhöflich» erzählt mir der Profi. Die nächste Hürde: das Besteck. Hier gilt die Faustregel immer von aussen nach innen. Falls bei einem Gang nur die Gabel benutzt wird, wird laut Widmer das Messer danach auch auf den Teller gelegt, nämlich parallel: Gabelrücken nach unten und das Messer mit der Schneide zur Gabel diagonal.

«Gebrauchtes Besteck unter keinen Umständen wieder neben den Teller, auf die Tischdecke legen», empfiehlt Küchendirektor Widmer. Ebenfalls sollte auf die richtige Haltung geachtet werden. So wird das Besteck nicht wie ein Werkzeug umkrallt, sondern am Ende des Griffes gehalten.

Das Weinglas wird am Stiel gefasst, wenngleich in vielen Ländern heute nicht mehr unbedingt angestossen wird. Doch es ist immer noch Usus verrät mir der Bankett-Profi, damit der Inhalt vom Glas nicht warm wird.

Und was schreibt die Etikette bei ausgefallenen Menü-Kreationen vor, bei denen man nicht weiss, ob man diese mit Besteck oder doch mit den Händen essen darf? «Das gibt es eher selten, ausser vielleicht zu einem speziellen Anlass. Und da darf man dann ganz ungeniert den Kellner fragen», so Widmer. Sonst gilt: Nur wenn eine Zitronenschale oder ein Fingertuch bereitsteht, darf mit den Fingern gegessen werden.

Sollte das Dinner nicht schmecken, da versalzen, roh oder kalt, ist es die Aufgabe des Gastgebers, dies dem Personal zu melden. Schmeckt hingegen ein Teil des Gerichts nicht, weil Gewürze drin sind, die man nicht mag, so isst man nur die Beilagen oder zumindest einen Teil. «Den Teller nicht aufessen ist nicht unhöflich, das Gericht unberührt zu lassen hingegen schon», weiss der Chefkoch.

Frank Widmer verriet mir zudem, wie man sich verhält, wenn frau sich plötzlich mitten im Dinner nicht mehr wohl fühlt . «Hier gilt es: Entschuldigen Sie sich kurz und gehen Sie an die frische Luft oder ins Badezimmer. Falls es gar nicht anders geht, ist es in Ordnung sich höflich aufgrund von Unwohlsein zu verabschieden.» Zurückkommen sollte man nach einer halben Stunde jedoch nicht. «Dies würde einen komischen Anschein auf Sie werfen.» Ebenso, wenn Sie zwischen den Gängen rauchen gehen. Dies ist ein absolutes No-Go – sowohl für Gastgeber als auch für Gäste.

Und wann darf man aufstehen? Möchte man aufs Smartphone schauen oder aufstehen um sich die Beine zu vertreten, sagte mir Widmer, bietet sich ein Gang zur Toilette an. So hat auch der Gastgeber nicht das Gefühl, dass es Ihnen vielleicht langweilig ist.

Und nun der Klassiker: Man sitzt bei einem Business-Dinner, Ihr Gegenüber lächelt Sie breit an und Sie sind peinlich berührt davon, dass die Person etwas zwischen den Zähnen hat. Wie reagieren in einer solchen Situation? Profi Frank Widmer rät dazu, ganz dezent und mit einem Lächeln darauf aufmerksam zu machen, wenn man sich bereits kennt. Ist es allerdings ein sehr förmliches Dinner mit neuen Geschäftskontakten könnte dies peinlich für beide Parteien werden. So bleibt nur die Hoffnung, dass Ihr Gegenüber den Weg zum Spiegel findet, bevor das nächste Meeting ansteht. Ist man selbst der Betroffene, sollte trotz Zahnstocher auf dem Tisch, dieser mit ins Badezimmer genommen werden. Am Tisch gilt: Zahnstocher benutzen ist unangebracht.

Nach dem Dinner

Nach dem Abendessen – dessen Ende in der Regel mit dem Servieren des Kaffees eingeläutet wird – darf man aufstehen. Die Serviette wird links neben sich auf den Tisch gelegt. «Beachten Sie dabei, dass der Stoff so gefaltet ist, dass die Serviette mit der Öffnung zu Ihnen zeigt und der Knick zu Ihrem Tischnachbarn links von Ihnen», empfiehlt mir der Profi.

Verabschieden darf man sich heute bereits nach dem Kaffee und nicht wie früher, wenn der Gastgeber den Abend für beendet erklärt. Unangebracht wäre es aber nach dem Hauptgang zu gehen (ausser man hat dies bereits vorab angekündigt). Bedenken Sie, der Gastgeber hat sicher auch für Ihr Dessert bezahlt.

Bon Appetit!

Fotos: Nel-Olivia Waga, Bruno Arnold für Bilanz.ch, Park Hyatt Zürich